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Sicherheit auf Happn: So schützen Sie sich beim Dating

Zuletzt bearbeitet: 9 Juli 2020
Lesezeit: 11 Minuten, 57 Sekunden

Happn dating app logoHappn wird oft als die beliebte und „natürlichere“ Alternative zu Tinder gesehen. Man wird mit Menschen verbunden, denen man über den Weg gelaufen ist, die man normalerweise aber nicht anspricht. Mit der App können Sie leicht ein Gespräch mit jemandem aus Ihrer Umgebung anfangen. Seit 2014 gibt es die App und weltweit hat sie inzwischen mehr als 70 Mio. Nutzer.

Bei der Kommunikation auf einem so persönlichen Niveau will man keine Probleme. Darum ist es wichtig, auf die eigene Privatsphäre zu achten – gerade auf Dating-Apps wie Happn. Teilen Sie nicht zu viele Informationen, verbergen Sie Ihre (wenn möglich) Ihren Standort oder nutzen Sie eine Fake-Location-App. In diesem Artikel erklären wir im Detail, wie man beim Online Dating die eigene Sicherheit schützen kann. Außerdem zeigen wir einige Schwachstellen von Happn auf und welche Folgen das für Sie als Nutzer haben kann.

Welche Privacy-Risiken hat Happn?

Happn ist eine „Meeting-App“. Wenn ein anderer Nutzer (der Ihren Einstellungen entspricht) Ihnen über den Weg gelaufen ist, wird Ihnen danach sein Profil angezeigt. Sobald es ein ‚Match‘ gibt, d.h. beide haben Interesse, kann man miteinander chatten. Ein schönes System, das Menschen aus der direkten Umgebung miteinander verbindet. Wie jedoch auch bei Tinder und Grindr gibt es einige Risiken, die Sie kennen sollten.

Happn verbunden mit Facebook

Facebook logoEin Profil auf Happn erstellt man entweder mit seinem Facebook-Konto oder einer Handynummer. Letztere Option gibt es erst seit einem Update, davor war ein Facebook-Konto die Voraussetzung für die Nutzung. Manch einer mag das praktisch finden, jedoch bedeutet das auch die Kopplung aller Daten auf Facebook an das Dating-Profil.

Happn verspricht, niemals etwas auf Facebook zu posten oder Benachrichtigungen an Freunde zu versenden. Laut Happn wird Facebook Connect nur dazu benutzt, gemeinsame Freunde und Interessen festzustellen.

Trotzdem ist es wichtig, die eigene Sicherheit und Privatsphäre online ernst zu nehmen. Wenn Sie nicht die Anmeldung mit Handynummer wählen, wird Ihr Facebook-Profil an Ihr Happn-Profil gekoppelt. Dies macht es Happn einfacher, gefälschte Profile zu bekämpfen. Leider werden Fotos von Facebook auch automatisch auf der Dating-App angezeigt. Das führt dazu, dass mittels Bilder-Rückwärtssuche relativ schnell die Facebookseite eines Happn-Nutzers gefunden werden kann. Durch den Aufbau der App ist es schwierig, dies zu verhindern.

Facebook ID-Leck

In der Vergangenheit hatte Happn schwerwiegende Probleme mit Facebook-Konten. 2017 hat das Magazin WIRED aufgedeckt, dass u.a. Happn die Privatsphäre seiner Nutzer unzureichend schützte: Facebook IDs waren geleakt, d.h. der vollständige Name, Interessen, Geschlecht und das gesamte Facebook-Profil waren zugänglich. Als Reaktion hat Happn die gesamte App wie ein Proxy eingerichtet, wodurch nur Daten bestimmte Daten für andere Nutzer sichtbar sind.

Happn verstößt mit Datenweitergabe gegen die eigenen AGBs

Auch 2016 kam Happn in schwieriges Fahrwasser. Damals veröffentlichten norwegische Verbraucherschützer, dass das Unternehmen gegen die eigenen Geschäftsbedingungen verstößt. Obwohl Happn versprochen hatte, niemals Personendaten an Dritte weiterzugeben, wurden Informationen an die amerikanische Marketingagentur UpSight übermittelt. Unter anderem vollständige Namen, Geburtsdaten, Geschlecht und Arbeitsverhältnis gehörten zu den weitergegebenen Informationen, wie auch der gekoppelte Facebook-Account. Happn verstieß also aktiv gegen die eigenen Datenschutzregeln, ein Betrug gegen die Nutzer.

Gleichzeitig taucht ein weiteres Problem auf: Laut Happn wurden alle Nutzerdaten von den Servern entfernt, wenn das zugehörige Profil gelöscht wird. Das Gegenteil war der Fall: Einige Cookies wurden nicht vom Nutzergerät gelöscht und somit wurden auch nicht alle Daten von den Servern gelöscht. Es war Nutzern nicht möglich, die gesamte App zu löschen.

Premium-Nutzer wissen, ob Sie sie ‚geliket‘ haben

In der Happn-App werden andere Nutzerprofile angezeigt und man kann entweder ein „Like“ oder ein „Hallo“ schicken, um Interesse zu zeigen. Die andere Person sieht das nur, nachdem Sie selbst auch auf „Like“ gedrückt hat. In dem Fall hat man einen „Crush“ und kann man in der App ein Gespräch anfangen.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Mit einem Premium-Konto kann man z.B. schon vorher sehen, wer einen „geliket“ hat und wer nicht. Viele Happn-Nutzer hab solch ein kostenpflichtiges Premium-Konto. Mit anderen Worten, Ihre Likes nicht mehr versteckt und andere Nutzer können sehen, ob Sie interessiert sind oder nicht, was möglicherweise zu unerwünschten Situationen führen kann.

Neben der Premiumfunktion gibt es auch ein in die App integriertes Spiel genannt „Crush Time“, mit denen anderen Nutzer Ihre Likes sehen könnten. In dem Spiel geht es darum zu entdecken, wer einen selbst geliket hat: Es werden die Profile 4 verschiedener Nutzer angezeigt, einer davon ist interessiert. Wenn Sie das erraten können, haben Sie automatisch einen „Crush“ und können miteinander reden. Je öfter man das Spiel spielt, desto höher die Chance, Likes vorhersagen zu können. Denn je öfter ein Profil erscheint, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige interessiert ist. Das ist mühselig, jedoch nicht unmöglich. Wer die eigenen Likes lieber geheim hält, bis der andere geantwortet hat, muss dieses Risiko eingehen.

Mit Maps ist Ihr Standort nicht mehr geheim

Map with location2018 hat Happn die Maps-Funktion eingeführt. Auf einer Karte kann man dabei sehen, wo man einem anderen Nutzer begegnet ist. Und das mit auf bis zu 250m relativ hoher Genauigkeit. Auch die Uhrzeit, zu der sich beide Nutzer an gegebener Position befanden, wird angezeigt.

Mit Maps ist es deutlich leichter, andere Menschen auf der App zu finden. Sind Sie jemandem beim Ausgehen begegnet? Sehen Sie auf der Karte nach, ob derjenige auch Happn hat und senden Sie gleich ein Like.

Ein schönes System, jedoch gibt es eine Menge Bedenken zum Datenschutz. Wenn Sie den genauen Ort der Begegnung sehen können, kann der andere User das auch. Straftaten wie Stalking werden dadurch erleichtert und der Missbrauch der Maps-Funktion ist ein echtes Risiko.

Stalking: Die Gefahren von Happn

stalker in bushesDie genannten Datenschutzrisiken können zu unerwünschten oder sogar gefährlichen Situationen führen. Bisher gab es nur sehr wenige Berichte über Zwischenfälle auf Happn oder durch den Gebrauch der App. Das bedeutet aber nicht, dass Happn völlig sicher ist. Es ist immer wichtig, sich über die Gefahren im Klaren zu sein.

Unter bestimmten Umständen kann die App sehr viel mehr Informationen preisgeben als Sie vielleicht denken. Bei einem Experiment der Sunday Mail tauchte ein bestimmter Nutzer innerhalb von zwei Wochen sieben Mal in der App auf und da die Position so genau auf der Karte angezeigt wurde, konnten die Tester relativ leicht den Wohnort des Nutzers ermitteln. Laut Sicherheitsexperten können solche Vorfälle zukünftig schwerwiegende Folgen haben: Was, wenn jemand, dem Sie auf Happn begegnet sind, plötzlich vor Ihrer Tür steht?

Schützen Sie sich auf Happn

Die Nutzung von Dating Apps bedeutet immer ein gewisses Risiko und Happn ist keine Ausnahme. Jede Begegnung mit einem Fremden ist ein Risiko. Trotzdem sollte man Apps wie Happn auf eine sichere Art und Weise nutzen, um die Risiken zu minimieren. Hier einige Maßnahmen für mehr Sicherheit und Datenschutz auf Happn.

Teilen Sie nicht zu viele Informationen

Dies mag offensichtlich erscheinen, aber viele Nutzer teilen immer noch unbedacht allerlei persönliche Informationen online. Teilen Sie niemals unüberlegt Ihr Alter, Ihren vollständigen Namen oder Arbeitgeber oder andere Details, weder auf Ihrem Happn-Profil noch im Gespräch mit Fremden. In der Happn-App können Sie Ihr Alter, Ihren ‚Online‘-Status und Ihre Entfernung vor anderen Nutzern verbergen.

Lassen Sie außerdem Vorsicht walten, wenn Sie andere soziale Medien mit Happn verbinden. Zum Beispiel können Sie Ihre Profile auf Happn, Instagram und Spotify miteinander koppeln. Das ist nützlich für andere Nutzer, da man Sie und Ihre Interessen so besser kennenlernen kann. Es birgt jedoch auch Gefahren: Mit einem direkten Link zu Instagram kann ein Fremder möglicherweise einfach alle Fotos sehen, die Sie dort geteilt haben. Man sollte sich immer dessen bewusst sein, was man online teilt und welche Profile miteinander gekoppelt sind.

Teilen Sie nicht zu viel über Facebook

Facebook laptop anonymousAus Ihrem Facebook-Konto kann Happn Zugang zu vieler Ihrer Daten erlangen. Um das zu verhindern, können Sie drei Dinge tun. Erstens können Sie ein Happn-Konto mit Ihrer Handynummer erstellen, statt mit Ihrem Facebook-Account. So werden beide Konten gar nicht erst miteinander verbunden. Allerdings geht dies nur bei der Einrichtung der Happn-Accounts, später ist dies viel schwieriger.

Zweitens können Sie einen zweiten Facebook-Account erstellen. Dazu brauchen Sie eine E-Mail-Adresse (nicht die, die mit Ihrem eigentlichen Facebook-Konto verbunden ist). Geben sie so wenige Informationen wie möglich preis und nutzen Sie diesen Facebook-Account für Ihren neuen Happn-Account.

Drittens: Kontrollieren Sie, zu wie vielen Facebook-Daten Happn Zugang bekommt. Öffnen Sie die Einstellungen Ihres Facebook-Accounts und gehen Sie auf ‚Apps‘. Suchen Sie nach dem Happn-Logo und klicken Sie auf ‚Entfernen‘. Melden Sie sich nun in der Happn-App an. Es wird eine Meldung erscheinen mit der Frage, wie viele Informationen Sie teilen wollen. Hier können Sie erneut auswählen, wie viel Zugang Happn zu Ihrem Facebook-Konto bekommt. Achten Sie darauf, dass Happn so wenig Daten wie möglich erhält, ohne die App komplett zu blockieren.

Deaktivieren Sie den Ortungsdienst

Damit Happn das tut, wofür die App entwickelt wurde, braucht die Anwendung kontinuierlich Ihren Standort. So kann sie ermitteln, welchen anderen Nutzern Sie ‚begegnet‘ sind. Dies ist jedoch nicht immer notwendig; in manchen Fällen kann es sogar problematisch sein. Während Sie sich in einem beruflichen Umfeld aufhalten, wollen Sie wahrscheinlich nicht auf einer Dating-App erkannt werden.

Um unangenehme Situationen zu vermeiden, kann man den Invisible Mode aktivieren, wodurch Sie in den folgenden acht Stunden keinen anderen Nutzern angezeigt werden. So entscheiden Sie selbst, wann und wo man Ihnen auf der App ‚begegnen‘ kann.

Wenn Sie wirklich eine Happn-Pause einlegen wollen, können Sie auch das GPS Ihres Gerätes ausschalten. Nun kann Happn Ihren Standort nicht ermitteln – auch wenn der Invisible Mode ausgeschaltet ist. Jedoch funktioniert die App nun gar nicht mehr: Das gesamte Konzept dreht sich um das Kennenlernen von Menschen in Ihrer Umgebung und das geht nicht, wenn Ihr Standort unbekannt ist.

Nutzen Sie eine Fake-Location-App

Das GPS ausschalten macht Happn nutzlos. Wollen Sie Ihren genauen Standort nicht teilen, aber dennoch die App nutzen? Den eigenen Standort fälschen bzw. simulieren mit einer speziellen App kann dabei helfen. Meist funktioniert dieser Trick auch bei Dating Apps: Happn erhält von Ihrem Gerät statt Ihrer tatsächlichen Position GPS-Koordinaten, die sie selbst bestimmen. Verschiedene Apps sind hierfür geeignet, z.B. Fake GPS GO Location Spoofer für Android und Fake GPS Location über iTools für iOS.

Der größte Nachteil ist, dass Sie so nur andere Nutzer in der Nähe des simulierten Standorts angezeigt bekommen, nicht jene, die wirklich auf der Straße an Ihnen vorbeigelaufen sind. Eine mögliche Lösung ist es, einen Standort zu wählen, der sich in Ihrer Nähe befindet oder eine Örtlichkeit, an der Sie sich oft aufhalten (z.B. Ihre Lieblingsbar oder Ihr Lieblingsrestaurant). Auf diese Art und Weise treffen Sie Leute aus Ihrer Umgebung, ohne Ihren genauen Standort zu verraten.

Für die Installation der oben genannten Apps können Sie die folgenden Anleitungen befolgen:

Fake GPS GO Location Spoofer

Fake GPS GO ist leicht zu installieren und Android ab Version 6.0 verfügbar.

  1. Installieren Sie die Fake GPS GO Location Spoofer App.
  2. Öffnen Sie die App und wählen Sie „Enable Mock Locations“.
  3. Wählen Sie auf der Karte den Standort, den Sie nutzen wollen und klicken Sie in der links-unteren Ecke auf den Play Button.
  4. Wenn die Nachricht erscheint „Mock locations are disabled or the app is not the default Mock Location app, please enable to continue“, klicken Sie auf „Enable“.
  5. Die „Entwickleroptionen“ werden geöffnet. Klicken Sie auf „App für simulierte Standorte wählen“ und wählen Sie „FakeGPS Free“.
  6. Kehren Sie zur App zurück und klicken Sie den Play Button, um die Funktion zu starten.

iTools’ Fake GPS Location

Mit diesen Schritten simulieren Sie Ihren Standort mit iOS und iTools:

1. Installieren Sie iTools auf Ihrem Computer
2. Öffnen Sie das Programm und wählen Sie „Free Trial
3. Gehen Sie zur „Toolbox“ Registerkarte.
4. Klicken Sie auf „Device Toolkits“ und danach auf „Virtual Location“.
5. Geben Sie die gewünschte, simulierte Position auf der Karte ein und drücken Sie Enter.
6. Wenn eine Stecknadel für den gewählten Standort erscheint, klicken Sie auf „Move Here“, um so die Position des iPhones einzustellen.

Nun können Sie Happn wie gewohnt benutzen, aber statt der tatsächlichen Position verwendet die App nun den von Ihnen gewählten Standort.

Aktivieren Sie Ihr VPN

VPN on mobile

Viele Dating-Apps gehen nicht vorsichtig genug mit den Daten Ihrer Nutzer um. Oft werden z.B. unsichere Verbindungen (mit dem HTTP-Protokoll) für das Hochladen von Bildern benutzt. Dadurch können diese Verbindungen leicht von Hackern abgegriffen werden. Um sicher zu stellen, dass die eigenen Daten nicht in fremde Hände gelangen, ist es weise, ein VPN zu benutzen. Ein VPN erstellt eine verschlüsselte Verbindung zwischen Ihnen und dem Server, wodurch sowohl Ihre IP-Adresse als auch ihr gesamter Datenverkehr verborgen bleibt – auch das, was Sie auf Happn tun.

Zwei empfehlenswerte VPN-Anbieter sind NordVPN und Surfshark. Beide sind bekannt für Ihre sicheren Verbindungen und relativ günstigen Preise. So schützen Sie nicht nur Ihre online Privatsphäre und Ihre Daten, sondern können Sie das Internet völlig frei benutzen und allerlei Netzsperren umgehen.

Fazit

Happn ist eine Dating-App, deren Konzept sich von anderen Anbietern unterscheidet: Aufgrund Ihres Standortes werden Ihnen andere Nutzer angezeigt, denen Sie bereits im echten Leben begegnet sind. Dies ist ein spaßiger und einfacher Weg, neue Leute kennenzulernen. Die Plattform bietet verschiedene Optionen, um mit Menschen in Kontakt zu kommen und Ihre Interessen zu teilen.

Trotzdem sollten Sie vorsichtig sein. Achten Sie auf den Schutz Ihrer eigenen Daten und geben Sie nicht unüberlegt Informationen über sich preis. Verbergen Sie Ihren Aufenthaltsort durch das Ausschalten des GPS Ihres Gerätes, mittels einer Fake-Location-App oder durch die Nutzung eines VPNs. Darüber hinaus sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie sich mit einer fremden Person treffen. Informieren Sie vorher grundsätzlich jemanden aus Ihrem Freundeskreis oder ein Familienmitglied über Ihr Date und Ihre Pläne. Es empfiehlt sich, für ein erstes Treffen einen öffentlichen Ort zu suchen. Mit diesen Tipps brauchen Sie mit Happn auf Ihre Sicherheit nicht zu verzichten.

Technik-Journalistin
Ronella denkt ständig darüber nach, wie wir unsere digitale Gesellschaft so sicher wie möglich gestalten können. Große digitale Entwicklungen bedeuten auch, dass wir ständig mit neuen Sicherheitsfragen konfrontiert werden. Ronella möchte deshalb mehr Bewusstsein für die Cybersicherheit schaffen und die Menschen auf die Risiken und Fallstricke aufmerksam machen.

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