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Schützen Sie Ihre Privatsphäre auf Tinder

Zuletzt bearbeitet: 6 Juli 2020
Lesezeit: 10 Minuten, 16 Sekunden

Tinder logoTinder ist zweifellos die weltweit beliebteste Dating-App. Seit 2012 kann man die Profile aus seiner Umgebung nach rechts (interessiert) oder links (nicht interessiert) „swipen“. Die App hat schätzungsweise 50 Mio. aktive Nutzer.

Für die meisten User ist Online-Dating auch Unterhaltung und Zeitvertreib: Es ermöglicht, neue Leute kennenzulernen, ohne dabei zunächst die eigenen vier Wände verlassen zu müssen. Man sollte sich jedoch auch der Privacy-Risiken bewusst sein, die Dating-Apps und speziell Tinder mit sich bringen.

Mit diesem Artikel soll keine Panik verbreitet oder von der Tinder-Nutzung abgeraten werden. Jedoch sollte man die Risiken kennen und wissen, wie man sie minimieren kann, der eigenen Privatsphäre und Sicherheit zuliebe. So machen Apps wie Tinder auch weiterhin Spaß, ohne böse Überraschungen.

Welche Risiken birgt Tinder für die Privatsphäre?

In diesem Abschnitt besprechen wir, welche Risiken für die Privatsphäre und den Datenschutz Tinder verursachen kann.

Verbindung von Tinder mit Sozialen Medien

Auf der Webseite von Tinder erscheint fast sofort ein großer Button „Anmelden mit Facebook“. Weil die Anmeldung über Facebook schnell und unkompliziert ist, wählen viele Nutzer diesen Weg, ohne lange darüber nachzudenken. Das passt jedoch nicht zu dem häufigen Wunsch, die Aktivitäten auf Tinder und Facebook getrennt zu halten.

Durch die Anmeldung mit Facebook erhält Tinder automatisch Zugang zu Teilen Ihres Facebook-Profils: Ihr vollständiger Name, Profilfoto, Geburtsdatum, alle Facebook-Fotos, welche Seiten Sie ‚geliket‘ haben und Ihre E-Mail-Adresse.

Der Gedanke, dass eine App, die Sie nur benutzen, um mit (fremden) Leuten zu daten, Zugang zu all diesen Daten hat, ist offensichtlich nicht besonders beruhigend. Alternativ kann man sich inzwischen auch mit seinem Google-Account anmelden, das birgt jedoch ähnliche Risiken. Die sicherste und vertraulichste Art der Anmeldung ist mit nur einer Telefonnummer, da man hier die wenigsten persönlichen Daten anzugeben braucht.

Ein anderes, weitverbreitetes Risiko, ist die Verbindung der Tinder-App mit dem eigenen Instagram-Konto. Auf vielen Profilen sieht man unten eine Reihe von Fotos aus dem Instagram-Profil der jeweiligen Person. Aus Sicht des Datenschutzes ist das keine gute Idee: Tinder hat eine riesige Nutzergemeinde und unzählige Leute können und werden diese Fotos sehen.

Das kann zum Problem werden, weil Menschen, die Sie nicht kennen und von denen Sie noch nie gehört haben, anhand solcher Fotos und der Rückwärtssuche z.B. Ihr tatsächliches Instagram-Profil und eine Menge weiterer Informationen über Sie finden können. Sie können so ein leichtes Ziel von Stalkern werden.

Das gleiche gilt auch für Profile auf anderen sozialen Medien: Wenn Sie das gleiche Foto auf mehreren Plattformen verwenden, können Fremde diese Accounts leicht alle Ihre Accounts aufspüren. Das geht nicht nur mit Fotos, sondern auch mit anderen Informationen, z.B. der Kombination auf Ihrem Namen und Ihrem Arbeitgeber oder Fitnessstudio.

Tinder speichert Personendaten

Die Tinder Datenschutzerklärung besagt, dass Ihre Daten zu Werbezwecken verwendet werden dürfen. Danach heißt es wörtlich: „Obwohl wir Schritte zum Schutz Ihrer Informationen unternehmen, versprechen wir […] nicht, dass Ihre persönlichen Informationen immer sicher bleiben werden, und Sie sollten dies auch nicht erwarten.“ In der Praxis geht es hier möglicherweise um Hunderte Seiten an persönlichen Informationen.

Die französische Journalistin Judith Deportail hat 2017 alle persönlichen Informationen angefordert, die Tinder über sie gesammelt hatte. Sie war schockiert, als Tinder Ihr 800 Seiten an Daten gesendet hat. Dies ist kein Einzelfall und nicht ungewöhnlich, da Tinder Unmengen an Informationen sammelt in Kategorien wie Standort, Facebook-Likes, Links auf Instagram-Fotos, Gespräche auf Tinder und die Anzahl Ihrer Facebook-Freunde.

Man sollte nicht vergessen, dass alles, was man im Chat auf Tinder preisgibt, nicht nur zu der Person am anderen Ende gelangt, sondern auch zu Tinder selbst.

Tinder und Hacker können sehen und kontrollieren, was Sie tun

Ein weiterer Risikofaktor ist das hohe Maß an Kontrolle, das Tinder darüber ausübt, welche Profile Ihnen überhaupt angezeigt werden. Sie sehen nämlich nicht einfach nur die Profile in Ihrer Nähe, das ist nicht das einzige Kriterium. Stattdessen ‚matcht‘ der Algorithmus Sie mit bestimmten Personen auf Basis der Interessen und anderen Faktoren. Davon merkt man als Nutzer wenig, aber die Chance auf ein ‚Match‘ werden dadurch erhöht. Jedoch hat es auch einige Nachteile: Tests von Checkmarx haben 2018 ergeben, dass Cyberkriminelle Zugang zu Ihrem ‚Tinder-Verhalten‘ bekommen können und so sehen, welche Profile Sie liken und ein „Swipe-Muster“ erstellen.

Außerdem können Hacker möglicherweise Tinder manipulieren: Angeblich kann bestimmt werden, welche Profile Sie angezeigt bekommen.

„Tinder-Gefahren“ im Alltag

Tinder ist und bleibt eine Online-Dating-App, d.h. man kommt zwangsläufig in Kontakt mit Fremden, über die Sie absolut nichts wissen. Daraus ergibt sich immer das Risiko, betrogen zu werden (Stichwort „Catfish“) und obwohl das gruselig klingen mag, ist das auch zu erwarten.

Trotzdem wollen wir Sie auch auf andere Risiken hinweisen, die Tinder mit sich bringt. Das bedeutet nicht, dass die App selbst gefährlich ist, sondern, dass sie von manchen Personen missbraucht wird. Um nicht selbst davon Opfer zu werden, sollte man diese Tricks kennen.

Das „Tinder-Stalking-Handbuch“

stalker in bushesAuf verschiedenen Foren und Webseiten wird über den „Tinder Stalking Guide“ diskutiert. Hierbei soll es um eine detaillierte Anleitung dafür handeln, wie man in schnell sehr so viele Informationen wie möglich über sein Tinder-Match sammeln kann.

Innerhalb nur weniger Minuten soll man so persönliche Informationen und die zugehörigen Twitter, Instagram und Facebook-Accounts zu mehr als 40% aller Tinder-Profile finden können.

Anscheinend ist diese Anleitung aus dem Internet verschwunden, zumindest aus dem Surface Web, aber auch ohne Anleitung ist es für Fremde oft ein Kinderspiel, nur mit einem Namen und einem Foto eine Unmenge persönlicher Daten aufzuspüren.

Mithilfe der Google-Bilder-Rückwärtssuche können oft andere Social-Media-Accounts gefunden werden. Mit Informationen über den Wohnort, Arbeitsplatz oder das Lieblingsrestaurants gibt es Möglichkeiten zum Stalking oder zur Erpressung.

Manche Nutzer möchten vielleicht vor dem ersten Date etwas mehr über Sie erfahren. Man sollte sich dann fragen, ob es wünschenswert ist, wenn so viele private Daten quasi ‚auf der Straße liegen‘, nur eine Google-Suche entfernt.

Tinder und (Gewalt-)Verbrechen

Manche Nachrichtenseiten haben ganze Artikelsammlungen über Tinder Dates mit einem schrecklichen Ende. 2017 wurde die Amerikanerin Sydney Loofe von Ihrem Tinder Date umgebracht. Ein Jahr zuvor wurden in Mexiko-Stadt die Knochen einer Frau gefunden. Das war alles was von ihr übrig war, nachdem jemand, den sie auf Tinder kennengelernt hatte, Ihren Körper in Salzsäure aufgelöst hatte.

Es gibt zahllose weitere Beispiele, in denen Menschen über Tinder Opfer von Gewalt oder Missbrauch geworden sind, sowohl Frauen als Männer. In fast allen Fällen lief ein Treffen nach einer Begegnung auf der App schrecklich ab.

Diese Verbrechen sind für Tinder schwierig zu verhindern, da sie nicht auf der App selbst geschehen. Darum sollte man immer größte Vorsicht walten lassen, wenn man sich mit jemandem trifft. Man kann das Risiko jedoch etwas senken, wenn man Tinder benachrichtigt, sobald man etwas verdächtiges bemerkt (mehr dazu später).

Datenschutzbedenken beim „Tinder Passport“

Tinder Passport ist ein relativ neues Feature für Tinder Plus- und Tinder Gold-Nutzer. Mit dieser Funktion können Sie den eigenen Standort in jede beliebige Stadt der Welt verändern und so die örtlichen Profile ansehen, auch wenn Sie sich nicht wirklich dort befinden. Die Idee dahinter ist, dass man z.B. schon bevor man auf Reisen geht, am Urlaubsziel swipen kann.

Aber auch diese Funktion birgt einige Risiken. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Geschäftsreise und Ihr Partner benutzt Tinder Passport um zu überwachen, ob Sie auf Tinder aktiv sind. Theoretisch könnte jemand sogar ein gefälschtes Profil anlegen, um zu testen, ob Sie während Ihrer Reise ‚treu‘ bleiben.

Unabhängig von den moralischen Einwänden des Fremdgehens ist es für viele Nutzer nicht wünschenswert, dass jemand sie während einer Reise überwachen kann, auch wenn es der eigene Partner ist.

Wie wahrt man seine Privatsphäre auf Tinder?

Was kann man angesichts aller Privacy-Risiken auf Tinder tun, um sich zu schützen? Es gibt einige Maßnahmen, mit denen Sie Ihren Standort und Ihre Identität schützen können. Hier sind die wichtigsten:

Teilen Sie nicht alles online

Bevor man irgendetwas online oder in Dating-Apps postet, sollte man sich der möglichen Konsequenzen bewusst sein. Auch, wenn Sie nicht Ihren vollständigen Namen und Kontaktinformationen angeben, können andere Nutzer Sie identifizieren. So kann man einfach mit einer Rückwärtssuche nachsehen, ob Ihr Profilfoto noch irgendwo im Internet auftaucht.

Wenn Sie sich bei Tinder mit Ihrem Facebook-Account angemeldet haben, ist es leicht, Ihre Facebook-Seite zu finden, weil Tinder automatisch Ihr Facebook-Profilfoto verwendet. Um Sie davor zu schützen, sollte Sie für Tinder nur Fotos benutzen, die sonst nirgends im Internet zu finden sind.

Außerdem sollte man es erstens vermeiden, den Arbeitgeber oder die Schule/Universität auf Facebook anzugeben und zweitens Links zu anderen sozialen Medien im Tinder-Profil zu posten.

Benutzen Sie einen Wegwerf-Facebook-Account für Tinder

Eine beliebte Methode, Facebook und Tinder getrennt zu halten, ist ein zusätzlicher, separater Facebook-Account für die Tinder-Anmeldung. So hat man mehr Kontrolle über die Daten, die Tinder von Facebook erhält.

Benutzen Sie bei der Anmeldung eine temporäre E-Mail-Adresse und benutzen Sie für Ihren Facebook-Account einen Spitznamen. Laden Sie nur Fotos hoch, die sonst nirgendwo im Internet zu finden sind. Mit diesen Vorsichtsmaßnahmen machen Sie es jemandem, den sie gerade eben erst auf Tinder getroffen haben, deutlich schwerer, Ihre Identität aufzuspüren.

Auf diese Art und Weise genießen Sie die Vorteile einer Anmeldung mit Facebook, ohne dass Sie Ihre Privatsphäre in Gefahr bringen.

Benutzen Sie ein VPN

Viele Dating-Apps gehen nicht vorsichtig genug mit den Daten Ihrer Nutzer um. Oft werden z.B. unsichere Verbindungen (mit dem HTTP-Protokoll) für das Hochladen von Bildern benutzt. Dadurch können diese Verbindungen leicht von Hackern abgegriffen werden. Um sicher zu stellen, dass die eigenen Daten nicht in fremde Hände gelangen, ist es weise, ein VPN zu benutzen.

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Für die LGBTQ+ Community: Traveler Alert

Seit letztem Jahr umfasst Tinder eine Funktion, die es Personen der LGBTQ+ Community erleichtert, die App zu benutzen. Der ‚Traveler Alert‘ warnt Sie, wenn man die App in einem Land oder einer Regio öffnet, in der es Gesetze gegen LGBTQ+ Personen gibt.

Wenn Sie in solch eine Region reisen, erhalten Sie von Tinder einer Benachrichtigung und wenn Ihr Profil Ihre sexuelle Orientierung anzeigt, wird diese Information automatisch verborgen, bis Sie die Region wieder verlassen haben.

Darüber kann man in den Einstellungen „Mich auf Tinder anzeigen“ deaktivieren, wodurch das Profil für niemanden mehr sichtbar ist.

Verdachtsfälle melden

Tinder ist kontinuierlich bemüht, gefälschte Profile, Kriminelle und Bots aus der Plattform zu entfernen. Sie können dabei helfen, indem Sie Verdachtsfälle melden, woraufhin das Tinder Team Nachforschungen anstellt und ggfs. den Account löscht. Dies schützt einen selbst und andere Nutzer.

Dies sind einige Beispiele, die gegen die Richtlinien von Tinder verstoßen:

  • Nutzer, die um Geld oder eine Spende bitten
  • Nutzer, die nach Fotos fragen
  • Minderjährige, die die App benutzen
  • Beleidigungen und Beschimpfungen
  • Verwerfliches Verhalten bei einem Treffen
  • Gefälschte Profile/Catfishing
  • Spam, Verkaufsversuche an andere Nutzer

Wenn Sie etwas aus der Auflistung begegnen, kontaktieren Sie Tinder dann direkt. Sie können unerwünschte Kontakte auch in der App blockieren („Match auflösen“). Danach ist es demjenigen unmöglich, Sie über Tinder noch zu kontaktieren.

Fazit

Tinder und andere Dating-Apps sind sehr beliebt, haben aber auch eine Reihe von Nachteilen hinsichtlich des Datenschutzes und der Sicherheit.

Durch Schwachstellen in der Tinder-App können Hacker Ihre Aktivitäten überwachen und andere Nutzer können möglicherweise Ihren Standort ausfindig machen.

Darüber hinaus sammelt Tinder eine Menge an Personendaten und die häufige Verbindung mit dem Facebook-Profil birgt eine Menge Risiken für den Schutz Ihrer Daten. Über diese Gefahren sollten alle Tinder-Nutzer sich im Klaren sein. Auch, wenn Tinder immer Zugang zu gewissen Informationen hat, können Sie den Umfang dieser Sammelwut deutlich einschränken.

Privatsphäre auf Tinder: Häufig gestellte Fragen

Wenn Sie eine Frage zum Thema Datenschutz und Privatsphäre auf Tinder haben, sehen Sie sich unsere FAQs an!

Allgemein ist die Nutzung von Tinder sicher, wenn man einige Vorsichtsmaßnahmen trifft. Allerdings sollte man sich der Risiken bewusst sein, wenn jemand z.B. die Ihre Social Media-Profile findet. Zu den Risiken gehören Überwachung und sogar Stalking. Wenn Sie mehr über die Risiken und den Umgang damit lesen möchten, sehen Sie sich unseren Artikeln über Sicherhaut auf Tinder an.

Es gibt leider keine absolute Datensicherheit auf Tinder. Die App sammelt eine unglaubliche Menge an Daten über all ihre Nutzer. Laut den Geschäftsbedingen darf das Unternehmen Tinder diese Daten für viele Zwecke nutzen, darunter auch Werbezwecke. Außerdem können die Daten an andere Unternehmen weitergegeben werden.

Das mag abschrecken, jedoch können Sie mit einigen Tricks die Datensammelwut um einiges einschränken. Mehr darüber lesen Sie in unserem Artikel zum Thema Datenschutz auf Tinder.

Es gibt einige Dinge, die Sie tun können, um Ihre Daten und Ihre Privatsphäre auf Tinder zu schützen. Zum Beispiel sollten Sie keine Fotos benutzen, die auch auf anderen Sozialen Medien zu finden sind. Teilen Sie nicht unüberlegt persönliche Informationen und nutzen Sie ein VPN. Um sich und andere Nutzer zu schützen, sollte man verdächtige Accounts direkt bei Tinder melden. Wenn Sie zur LGBTQ+ Community gehören, sollten Sie unbedingt den „Traveler Alert“ verwenden. Weitere Tipps finden Sie in unserem Artikel.

Technik-Journalistin
Ronella denkt ständig darüber nach, wie wir unsere digitale Gesellschaft so sicher wie möglich gestalten können. Große digitale Entwicklungen bedeuten auch, dass wir ständig mit neuen Sicherheitsfragen konfrontiert werden. Ronella möchte deshalb mehr Bewusstsein für die Cybersicherheit schaffen und die Menschen auf die Risiken und Fallstricke aufmerksam machen.

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